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Mit »Barrikaden« legt Tom Ullrich eine medienhistorische Fallstudie zu einer der populärsten und kontroversesten Protesttechniken des 19. Jahrhunderts vor. Am französischen Beispiel befragt er den Mythos des revolutionären Paris und zeichnet die materiellen und medialen Bedingungen eines Protests nach, der sich noch nicht auf ein Recht auf Versammlungsfreiheit berufen konnte. Barrikadenbau und Straßenkampf waren seit der Julirevolution von 1830 nicht nur eine gängige Praxis, sondern entwickelten sich auch zu einem mächtigen Symbol des Widerstands, über das man nirgendwo mehr stritt als in Paris. Dort gerieten Barrikaden zu einem regelrechten Kulturphänomen, das obsessiv vermittelt, erinnert und angeeignet wurde. Wie komplex und plural der Umgang mit historischen Barrikaden tatsächlich war, zeigen Ullrichs umfangreiche Archivanalysen von Karten, Karikaturen, Zeitungsartikeln, Literatur, Gesetzestexten, Statistiken und Polizeiberichten. Im Zuge seiner Beschäftigung mit stadtplanerischen Fragen geraten darüber hinaus auch das konterrevolutionäre Potenzial von Straßenpflasterung sowie die Pariser Boulevards in den Blick, was bereits zeitgenössisch im Kontext der sogenannten Haussmannisierung diskutiert wurde. Ullrichs Studie arbeitet so die mit Straßenblockaden verbundenen Vorstellungen, Praktiken und Politiken des Gebrauchs öffentlicher urbaner Räume ebenso heraus wie ihre Regulierung und berührt damit Themen, die bis heute nichts von ihrer Aktualität und Brisanz verloren haben. Damit liefert seine innovative mediengeschichtliche Arbeit auch neue Impulse für die Stadt-, Konflikt- und Bewegungsforschung urbaner Proteste im 20. und 21. Jahrhundert.
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