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Die These dieses Buches ist, dass Verführer oder Verführerinnen in literarischen Verführungsszenarien versuchen, durch Ausweichen auf Kommunikationsmedien wie Wahrheit, Geld, Liebe, Religion und Kunst machtanaloge Effekte zu bewirken, nämlich das Handeln anderer in einem gewünschten Sinne gegen anzunehmende Widerstände zu lenken. Der Rückgriff auf Luhmanns Medientheorie erlaubt dabei die Abgrenzung von Kommunikationsakten durch die je spezifische Mediensemantik für Macht, Geld, Kunst oder Liebe und damit eine Reflexion auf die so eröffneten Kommunikationschancen und -risiken, die ein Kommunikationsvirtuose wie ein Verführer kennen und ausnutzen kann. Durch die zeitliche Konzentration auf Texte, die "um 1800" entstanden sind, kann im Motiv der Verführung gleichzeitig gezeigt werden, wie der Wandel von einer stratifikatorisch hin zu einer funktional differenzierten Gesellschaft die Möglichkeiten und Grenzen der Konvertibilität von Liebe, Wissen oder Geld in Macht bestimmt. Zugleich wird deutlich, dass die Literatur als Medium, das Kommunikation in ihrer gesellschaftlichen Umwelt beobachtet, in diese Kommunikation eingebunden ist und in Verführungsszenarien ihre mediale Eigenleistung - die Multiplikation von Sinnverweisen - reflektiert. Sie ist damit Erkenntnis- und/oder Verführungsmedium und kann in Verführungen sowohl warnen wie gefährden.
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